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Gewinn Ausgabe 7/8 2009

Gewinn Ausgabe 7/8 2009
Artikel Gewinn Ausgabe 7/8 2009

Urlaub im Designhotel: Im Bauch des ArchitektenDesignhotels boomen trotz Hotelmarktkrise und erfreuen damit Gäste, Hoteliers und Architekten. GEWINN hat die schönsten Beispiele hierzulande und rund um die Welt ausfindig gemacht.

Von: Gerhard Schillinger

Designhotels sind gut fürs Geschäft, gut für die Gäste und gut für die Architekten. Zumindest kommt die von Wirtschaftsministerium, WIFI-Unternehmerservice und Vorarlberg Tourismus beauftragte Studie „Architektur macht Gäste“ zu diesem Ergebnis. Demnach bestätigen 300 befragte Touristikunternehmer mehrheitlich die positive Wirkung von Design auf den wirtschaftlichen Erfolg. Für 88 Prozent hat sich die Investition gelohnt und bei 51 Prozent liegen die Kennzahlen über dem Branchendurchschnitt. Am deutlichsten: Mehr als 25 Prozent Plus bei Umsatz und bei Gästen. In Zeiten wie diesen also, in denen Gäste schwinden und Preise sinken, zahlte es sich somit doppelt aus, als Anbieter einzigartig zu werden. Zudem tut man als Hotelier damit auch etwas für die zurzeit auch nicht gerade verwöhnte Architekten- und Designerbranche. Die Gäste freut’s jedenfalls, womit man quasi von einer Win- Win-Win-Situation sprechen kann. GEWINN präsentiert die tollsten Beispiele der boomenden Designhotels und verrät Ihnen, was Sie hinlegen, um sich in einem der Architektenjuwele von Frank Gehry, Zaha Hadid oder Armani zu betten . . .

Klare Linien gegen Alpenbarock

Vorarlberg gilt in Österreich bekanntlich als Vorreiter in Sachen Architektur. Logisch, dass auch das „älteste“ heimische Designhotel im Ländle steht. Zum 1996 errichteten Hotel Martinspark in Dornbirn aus der Hand des Architektenduos Carlo Baumschlager und Dietmar Eberle haben sich mittlerweile eine Reihe weiterer Tourismusbauten gesellt, die sich als klare Absage an den landläufigen Alpenbarock verstehen. So wie etwa die Appartements Lechblick in Warth, das Silvrettahaus Bielerhöhe und das Naturhotel Chesa Valisa von Hermann Kaufmann. Letzteres wurde 2008 als bestes Familienhotel Europas ausgezeichnet.

Der jüngste zeitgenössische Hotelzugang ist das 2008 eröffnete Sonne Lifestyle Resort in Mellau. Bernd Frick und Richard Winkel haben hier die Formensprache moderner Architektur mit dem Originalstil des alten Bregenzerwälder Stammhauses zu einer außergewöhnlichen Design-Spannung verbunden.

Weiter südlich ist Matteo Thun ein Garant für einen neuen Alpinstil. Oberhalb von Lana (nahe Meran) hat er der prachtvollen Bergwelt auf 1.500 Metern die reduzierte Formenwelt des Vigilius Mountain Resort gegenüber gestellt. In strikter Längsausrichtung liegt das Gebäude mit nur 41 Zimmern wie ein riesiger Baumstamm oder Ast in der Stille eines Lärchenwaldes. Stein, Holz, Lehm und andere natürliche Materialien schaffen eine wohlig unerwartete Wohnwelt im Hochgebirge.

Loisium: Ein Würfel im Weingarten Das zurzeit bekannteste – und sogar mit dem „European Hotel Design Award“ ausgezeichnete – heimische Designhotel ist aber das Loisium in Langenlois bei Krems. Mit seiner gewagten und sehr urbanen Interpretation des Themas Wein hat der New Yorker Stararchitekt Steven Hall das verträumte „Nest“ aus einem Dornröschenschlaf gerissen und beschert dem traditionellen Weinort ganz neue Gäste. Mit einem Erdgeschoß aus Glas, das direkt auf der Geometrie der unterirdischen Kellerwelten aufsetzt, schwebt das Hotel wie ein „Würfel“ über den Weingärten. Futuristisch und klar setzt sich dieser Stil auch im Inneren der Zimmer oder dem Aveda-Spa als Wellnesslandschaft fort.

Gehry’s Blick in eine Flasche Das wahrscheinlich zurzeit angesagteste Designhotel ist aktuell Frank O. Gehrys eigenwillige und für ihn typische Interpretation eines Flaschenhalses – ebenfalls inmitten von Weinstöcken – im berühmten Rioja-Tal. Nach dem Guggenheim Museum von Bilbao ist das das Marques de Riscal im spanischen Elciego ein Hotel mit gerade mal 14 Zimmern. Zwei Flügel und acht Terrassen auf 100.000 Quadratmeter Fläche werden von farbigen Metallbändern aus Titan umrankt. Das ganze Hotel samt einem exklusiven Wein-Spa schwebt gleichsam auf Stelzen und deutet eine Bewegung an, die sich dann doch sehr harmonisch in die umliegende Landschaft fügt. Den Rang als d a s Designhotel könnte Gehry’s Kreation vielleicht das Silken Puerta America in Madrid ablaufen. Dort haben sich gleich 18 Toparchitekten unter Federführung des Franzosen Jean Nouvel zusammengetan und etagenweise ihre Vorstellungen von moderner Hotelarchitektur umgesetzt. Mit dabei etwa Zaha Hadid, Ron Arad und Jean Nouvel selbst.

Designhotels am Meer Aber auch die Strände rund ums Mittelmeer buhlen um anspruchsvollere Gäste. So kommt es, dass etwa die französische Innenarchitektin Joelle Pleot sich nach Karl Lagerfelds Privathaus auch das alte „Paphos Beach Hotel“ auf Zypern vornehmen durfte. Für 8,7 Millionen Euro hat sie den in die Jahre gekommenen Stammsitz der Hoteliers- und Politikerfamilie Michaelides in das international beachtete Designhotel Almyra verwandelt. Erwähnenswert: Das Almyra ist eines der wenigen Designhotels, wo auch Kinder wirklich willkommen sind. Am Strand von Antalya sticht das Hillside Su des türkischen Stararchitekten Eren Talu aus der Masse an schnell erbauten Billighotels und typischen All-inclusive-Clubs hervor. Ein Design, das sich an den 1960er-Jahren orientiert und mit Discokugeln im Foyer oder einer Außenfassade aufwartet, die in der Nacht alle 30 Sekunden die Farbe wechselt. Auch in den 294 Zimmern und Suiten, die fast ausschließlich in Weiß gehalten sind, kann die Beleuchtung nach Lust und Laune variiert werden.

Ferrari und andere Italiener Pininfarina steht vordergründig für Autodesign à la Ferrari. Die dabei gewonnene Erfahrung in Sachen Schnittigkeit und Dynamik hat man dem „The Keating“ im kalifornischen San Diego verpasst. In den 35 Zimmern mitten im pulsierenden „Gaslamp-Bezirk“ wird auf Zwischenwände verzichtet, dafür ist die Einrichtung nur vom Feinsten. Auch andere Italo-Designstars tummeln sich neuerdings gerne auf Hotelbaustellen. So hat der Architekt Antonio Citterio für Bulgari eine neue Luxusoase in Mailand errichtet,

Donatella Versace hat ihr erstes Hotel an der Gold Coast von Australien eröffnet und Giorgio Armani erwartet ab diesem Herbst die ersten Gäste für die von ihm gestalteten 160 Zimmer und Suiten auf 40.000 Quadratmetern im Burj Dubai, dem dann höchsten Gebäude der Welt.